Wovor sich ein Grundbesitzer fürchten muss ...

Kategorie: Geocaching allgemein
Veröffentlicht am Donnerstag, 16. August 2012 Geschrieben von Tafari

... ist sicher nicht der gemeine Geocacher!

Erst vor wenigen Tagen wurde in den Medien bei unseren Nachbarn wieder über Geocaching berichtet. Erneut ist zu lesen, welche Probleme Geocaching im Allgemeinen bereitet. Vor allem aus Sicht der Grundbesitzer scheint dieses Spiel ein massives Problem darzustellen. Deswegen ist der Versuch eine gesetzliche Regelung in Bayern zu treffen durchaus verständlich, jedoch nicht auf diese Art und Weise, denn die Argumentation der Grundbesitzer berücksichtigt nicht die Verhältensmäßikeit der Situation nebst anderen kleineren Details, die aber deswegen nicht unwichtiger sind.

 

Es ist kein Geheimnis, dass es auch in Österreich schon Begehrlichkeiten der Grundstücksbesitzer gibt, die bereits einmal mit Geocaching oder Geocachern in Kontakt gekommen sind. Ähnlich wie in Bayern haben auch in Österreich Grundbesitzer schon angemeldet, dass es Ihnen lieber wäre, wenn es Geocaching nicht gäbe. Die Gründe dafür sind vielfältig wobei meistens der Schutz der Natur in den Vordergrund gestellt wird. Dabei spielt die Vorstellung eine wichtige Rolle, dass ein Geocache per se naturschädigend sei und zusätzlich diejenigen, die einen Geocache in der Natur suchen ebenfalls per se ein Feld der Verwüstung hinterlassen würden. Diese Vorstellung entspricht aber nicht der Realität.

In dem einen oder anderen Einzelfall soll es ja wirklich zu Problemen mit dem Naturschutz gekommen sein. Das will und kann ja niemand abstreiten. Jedoch ist die Darstellung in den Medien oft noch immer relativ einseitig, denn die Argumente die auch in dem oben erwähnten Artikel ins Treffen geführt werden, stimmen so ja nicht.

Hier ein paar Auszüge:

  • Versteckte Schätze, zurückgelassener Unrat, zertrampelte junge Pflanzen - für die einen ist Geocaching eine moderne Schnitzeljagd und ein Grund, sich in der freien Natur aufzuhalten. Für Waldbesitzer ist die neue Trendsportart  allerdings zunehmend ein Ärgernis.

    Hier werden zwei Dinge miteinander vermischt. Versteckte Schätze ziehen nicht zwangsläufig nach sich, dass es dort auch zurückgelassnen Unrat gibt, oder Jungpflanzen um ihre Existenz fürchten müssen. Im Gegenteil. Einer der Hauptmotive des Geocachings ist es die Natur zu schützen. Der klassische Geocacher rennt eben nicht querfeldein durch die Natur und schneidet keine Schneisen in den Wald nur um an einen Ort möglichst direkt oder schnell zu gelangen. Aufgrund des Naturschutzgedankens, wählt der verantwortungsvolle Geocacher sowohl beim Suchen als auch beim Verstecken eher den Weg der geringesten Belastung für Pflanzen und Tiere. Im Allgemeinen sind Flurschäden, die durch Geocaching entstanden sind weit geringer als sie durch andere Sportarten verursacht werden. So hinterlässt ein Mountainbiker mitunter weit mehr Schäden als es ein Geocacher tut. Schon alleine wegen der Anzahl an Outdoor-Sprotlern im Allgemeinen verglichen mit der Zahl der Geocacher kann das Problem nicht Geocaching heißen. Das hier angesprochene Ärgernis ist vielleicht die Tatsache, dass jeder Bürger das Recht hat sich frei in der Natur zu bewegen. Das kann schon zu Problemen führen. Diese Probleme löst man aber nicht mit einer Einschränkung einer Minderheit oder einem Verbot.

 

  • "Das ist überall ein Problem", meint der Geschäftsführer des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, Hans Baur. Tag und Nacht streiften mittlerweile Geocacher ohne Kenntnis der Waldbesitzer durch die Natur und verschreckten so die dort ansässigen Tiere und schädigten die Natur.

    Dem kann widersprochen werden. Nicht Überall ist Geocaching ein Problem. Es gibt Regionen (vor allem in Österreich), in denen die Koexistenz von Wald-/Grundbesitzern und Geocachern sehr gut funktioniert. Es ist auch nur wenig erschreckend, dass Tag und Nacht Geocacher durch Wälder streifen ohne dass deren Besitzer dies wissen. Das war nie anders. Auch als es noch kein Geocaching gab, wusste der Waldbesitzer nicht wer wann oder wie durch seine Wälder streift. In Österreich gilt zudem das freie Wegerecht, dass es der Allgemeinheit erlaubt sich - bis auf konkrete Ausnahmen - eben frei im Wald zu bewegen. Das ist keine neue Modeerscheinung gegen die die Natur nicht alleine ankommt sondern passiert seitdem es Menschen gibt. Die Natur hat das in den letzten 10.000 Jahren erstaunlich gut überstanden.

 

  • Mehrere Versuche hätten die Waldbesitzer bereits unternommen, um das Problem in den Griff zu bekommen, jedoch bislang erfolglos. Schwierig sei die Situation, weil es keine Vereine als konkrete Ansprechpartner gebe.

    Welche Versuche das sein sollen wäre interessant. Immerhin zäumen die besagten Grundbesitzer hier das Pferd von der falschen Seite auf. Selbst wenn Geocaching von einem Tag auf den anderen verboten wäre, würde das Problem der Freizeitnutzung der Natur nicht gelöst werden. Nach wie vor gibt es mehr als zehn mal so viele Mountianbiker, Wanderer, Schwammerlsucher und Spaziergänger als Geocacher. Allen ist gemein, dass es keine zentralen Ansprechstellen gibt. Also selbst wenn es für Geocaching so etwas gäbe, würde das Problem damit nicht gelöst werden können.

 

  • "Das Betretungsrecht der freien Natur gilt für alle, aber immer in Einklang mit dem Naturschutzrecht"

    Ein Grundsatz der auch in Österreich gilt. Und ein Grundsatz den sich jeder Geocacher auf die Fahnen heften kann. Nicht nur, dass der Naturschutz gewahrt wird, wird selbiger auch noch gefördert. Im Normalfall werden von Geocachern beispielsweise Waldflächen auch gesäubert, wenn sie verschmutzt angetroffen werden - welcher Mountainbiker macht das? Es kommt nicht selten vor, dass Geocacher mit mehr Müll aus einem Wald herauskommen als sie beim Betreten dabei hatten und der dann auch noch fachferecht entsorgt wird. Kaum eine Sportart sorgt so dafür, dass Wald- und Fluflächen nicht nur sauber gehalten sondern bei Bedarf gesäubert werden.

 

  • "Wir wollten, dass internetgestützte Veranstaltungen als organisierte Veranstaltungen gelten"

    Es gibt gute Gründe, warum man nicht von organisierten Veranstaltungen sprechen kann, wenn man von Geocaching spricht. Die Tatsache, dass ein Teil des Spiels im Internet von Statten geht, führt noch nicht zwangsläufig dazu, dass die Suche nach einem Geocache eine organisierte Veranstaltung ist. Immerhin ist Geocaching ein Spiel, dass man auch alleine ausüben kann. Somit ist der Geocacher in vielen Fällen von einem Spaziergänger kaum oder nicht zu unterscheiden. Und bei Spaziergängern spricht man ja auch nicht von "organisierter Kriminalittät".

 

  • Lösungen werden nunmehr vom Staat gefordert um das Problem in den Griff zu bekommen.

    Dass der Staat hier regelnd eingreifen muss, ist aus Sicht von Geocaching nicht notwendig und auch nicht zielführend. Die Anzahl der Geocacher steigt stetig, jedoch ist diese Anzahl nach wie vor derart unbedeutend, dass hiebei mit Kanonen auf Spatzen geschossen werden würde. Ein Beispiel aus Oberösterreich zeigt, dass die Relation nicht paßt. Gibt es dort schätzungsweise 500 - maximal 1.000 Geocacher, radeln im selben Gebiet rund 40.000 Mountainbikes durch die Gegend. Weit mehr Menschen wandern und/oder suchen Schwammerl im Wald. Wenn es also ein Problem mit Freizeitaktivisten in der Natur gibt, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen Geocacher handelt eher gering.

 

Bei all diesen Mißverständnissen darf man nicht außer Acht lassen, dass man natürlich jedem Geocacher ins Stammbuch schreiben muss, dass er/sie auf all die Grundsätze des Spiels achten muss, die ohnehin seit jeher gelten und eigentlich selbstverständlich sein sollten.

  1. Ein versteckter Geocache auf Privatgrund kann nur mit Einverständnis des Grundbesitzers deponiert werden.
  2. Beim Vestecken selbst, ist darauf zu achten, dass die Natur nicht nur durch den Behälter sondern auch durch die Suchenden nicht beeinträchtigt wird.
  3. Sollten trotz größter Sorgfalt Probleme auftreten, muss der Owner des Geocaches entsprechend schnell reagieren und den Behälter notfalls auch wieder umgehend einziehen.

Werden diese Grundsätze beachtet (und die Mehrheit der Geocacher tut dies), gibt es auch kein Problem mit der Natur und dem Grundbesitzer. Letztendlich wird das Problem nur lösbar sein, wenn auf beiden Seiten Dialogbereitschaft besteht und gepflegt wird. Seitens der Geocacher hat es in Österreich schon mehrere Initiativen hiezu gegeben. Ob die Grundbesitzer Österreichs an einem Dialog interessiert sind oder nicht wird uns die Zukunft zeigen. Hoffen wir das Beste!

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